Montag, 8. September 2014

(Rezension) Zu viel Drama!

Rezension zu "Atemnot" von Ilsa J. Bick

Atemnot von Ilsa J. Bick

Original: Drowning Instinct
Genre: Jugendbuch, Drama
Erschienen: 09/2014 bei Egmont Ink
FSK: 12-16 Jahren (ganz klar aber eher nicht vor 14 Jahren lesen)
Seiten: 352 Seiten
ISBN-13: 978-3863960643
Preis: 14,99 Broschiert, 13,99 ebook
Link zum Verlag: Atemnot bei Egmont Ink

 Meine Bewertung: 3,5 Federn

Kann ein Drama zu dramatisch sein? Ja es kann! Das Ergebnis ist in diesem Fall ein schon eher unglaubwürdiges Seelenchaos, in dem man die Orientierung verliert und sich in einem Wust an Problemen wiederfindet aus denen die Autorin keinen Ausweg findet und auch die Zusammenhänge aus den Augen verliert. Das ist sehr schade, denn Atemnot hatte das Potential ein wirklich tiefgründiges und bewegendes Buch zu werden, hätte man auf das Ein oder Andere verzichtet.

 
Zum Inhalt:
Es gibt Geschichten, in denen das Mädchen seinen Prinzen findet, und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende. So eine Geschichte ist das hier nicht.

Jenna Lords Leben verlief bisher nicht gerade wie im Märchen. Ihr Vater ist ein kontrollbesessener Neurotiker und ihre Mutter Alkoholikerin. Früher war ihr älterer Bruder ihr einziger Halt, doch jetzt ist er im Irak stationiert. Und vor einigen Jahren wäre Jenna beinah bei einem Hausbrand ums Leben gekommen. 

Es gibt Geschichten, in denen das Monster das Mädchen umbringt und alle um das unschuldige Opfer trauern. So eine Geschichte ist das hier auch nicht. 

Mitch Anderson hat viele Qualitäten: Er ist ein engagierter Lehrer und Lauftrainer. Ein liebevoller Ehemann. Ein Mann mit einer ziemlichen … Anziehungskraft. 

Und dann gibt es noch die Geschichten, bei denen man schwer sagen kann, wer der Prinz und wer das Monster ist, wer das Opfer und wer es verdient, bis an sein Lebensende glücklich und zufrieden zu leben. Diese Geschichten sind die besten.(Quelle: Klappentext)

Meine Meinung:
Wieviel hält die Psyche einer 17 Jährigen aus?

Ilsa J. Bick erschafft mit Jenna ein nach außen hin sehr toughes Mädchen, dass in seinem Leben schon allerhand mitmachen musste. Wir erleben das ganze Geschehen aus der Perspektive Jennas, die für die Polizei die Ereignisse auf ein Tonband spricht. Die Idee ist wirklich gut und auch recht schön durchgezogen. Immer wieder spricht Jenna den Polizisten direkt an, was dem Ganzen einen eigenen Charme verleiht. Durch die Erzählart, die sehr umgangssprachlich ist, tauchen wir ein in alle seelischen Abgründe, die sich im Laufe der Jahre und nun in der Gegenwart angesammelt haben und werden mitgerissen.

Doch schon bald musste ich schlucken, weil mich die schiere Masse an Dramen sehr irritierte. Es wurde einfach zu viel und zu übertrieben. Durch Jennas Art vieles pragmatisch zu sehen und ihr recht kaltes und abgestumpftes Verhalten überspielen zwar so manches und nicht alle psychischen Problematiken finden sich bei ihr sondern bei Menschen in ihrer Nähe, dennoch verstricken sich um sie so viele negative Dinge, dass es einfach unrealistisch wirkt, denn man müsste sie schon fast als Magnet für Schreckliches betrachten. Vieles verliert dabei die Ernsthaftigkeit und das ist meines Erachtens nicht gewollt von der Autorin. Dabei hilft es auch nicht, dass es uns durch Jennas Augen einfach nicht interessieren soll, was mit anderen passiert, weil sie sich auf sich selbst konzentriert. Hätte Bick sich auf wenige Themen beschränkt, wäre die ganze Geschichte glaubwürdiger geworden.

Da wir in Jennas Haut stecken können wir den anderen Menschen um sie herum nur vor den Kopf gucken. Dadurch entsteht eine eigene Spannung, weil wir nicht wissen wer es ernst mit uns meint oder wer uns belügt oder betrügt. Die anderen Charaktere lernen wir nur durch Jennas Augen kennen, was alle Protagonisten, bis auf zwei, sehr unsympathisch erscheinen lassen. Das machte das Lesen noch etwas schwerer, da man sich auf niemanden außer Jenna einlassen konnte und Jenna mir selbst auch nicht sympathisch war. Ich konnte mich nicht direkt mit ihr identifizieren. 

Leider verliert die Autorin so manches zu schnell aus den Augen. Einige Ereignisse werden erwähnt, doch bekommen nie eine Auflösung. Ich kann nicht sagen, ob dies gewollt ist, oder ob sich Bick tatsächlich etwas in der Geschichte verirrt hat. Für mich war es schade, da mich so einiges davon sehr interessiert hätte. 

Trotz meiner Kritikpunkte konnte mich die Story fesseln. Bick entwickelte eine so kalte Spannung, dass es mich des Öfteren richtig fröstelte. Das gelingt ihr zum einen durch die Beschreibung des Wetters und der Umgebung, wie auch durch die Gefühlskälte, die vorherrscht. Zudem wurde man durch den schnellen Erzählstil wirklich mit in den Abgrund gezogen. 

FAZIT: Ein atmosphärisches, emotionales, spannendes Drama das leider zu dramatisch ist um realistisch zu erscheinen. Die Autorin wollte zu viel und verlor Wesentliches aus den Augen. Wen das nicht stört, dem ist dieses Buch zu empfehlen!


Ich bedanke mich bei dem Egmont Ink-Verlag für die Bereitstellung dieses Buches!


 

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