Sonntag, 14. September 2014

(Rezension) Wirklich großartig!

Rezension zu "Niemand liebt November" von Antonia Michaelis


Erschienen am: 20.August 2014 im Oetinger Verlag  
Genre: Jugendbuch  
FSK: ab 16 Jahren!!! 
Seiten: 432 Seiten
  ISBN-13: 978-3-7891-4295-6  
Preis: 17,99€ Hardcover  

Meine Bwertung: 5 Federn! Lesehighlight 2014! 

Es gibt Bücher, die schlägt man auf, ließt den ersten Satz und weiß, dass das ein ganz besonderes Werk ist. Diese Bücher sprechen ihre eigene Sprache, leben in ihrer eigenen Welt und erschaffen sich eine Atmosphäre die fühlbar ist. Solch ein Roman ist nicht leicht zu lesen oder zu verstehen, er sollte nicht zwischendurch als kurzweilige Lektüre gesehen werden. Nein Romane wie "Niemand liebt November" verdienen Aufmerksamkeit! Selten hat mich ein Buch so berührt, so gefesselt, mir Fragezeichen ins Gesicht geschrieben und mich so extrem wütend zurückgelassen. So etwas gelingt nicht vielen Autoren, doch Antonia Michaelis hat es nun schon das zweite Mal geschafft. Mit "Niemand liebt November" konnte sie mich sogar noch mehr begeistern, als mit "Der Märchenerzähler". Doch erst einmal...

zum Inhalt:
Schatten der Vergangenheit: ein Spiel um Leben und Tod.

Kurz vor Ambers sechstem Geburtstag verschwanden ihre Eltern auf unerklärliche Weise. Jetzt ist Amber, die eigentlich November heißt, 17 Jahre alt und glaubt, eine Spur zu haben. Doch was hat es mit dem Jungen auf sich, der in dem erleuchteten Zelt ein Buch liest, sich aber in Luft auflöst, sobald sie sich ihm nähert? Welche Ziele verfolgt der Kneipenwirt, zu dem sie sich immer stärker hingezogen fühlt, und der immer für sie da zu sein scheint? Steckt er vielleicht sogar hinter den anonymen Drohungen, die sie erhält? Amber muss sich entscheiden: zwischen ihrer zerstörerischen Vergangenheit und dem Aufbruch in die Zukunft. (Quelle: Oetinger Verlag)


Meine Meinung:
Ich fange mal ganz sachlich an. Ist dieser Roman leicht zu lesen und zu verstehen? 

Nein, bei weitem nicht. Michaelis schafft auch in ihrem neuen Werk eine Mischung aus Realität und Phantasie, die sie auf so gekonnte Weise vermischt, dass man sich immer wieder dabei erwischt, dass man selbst nicht mehr weiß, was wahr und was falsch ist, was der Realität und was dem gepeinigten Geist und dem Willen sich die Welt schön zu reden Novembers entspricht. Dabei denkt man, dass man doch genau sehen sollte, was reine Einbildung oder wirkliche Tatsache ist, doch dem ist nicht so. Michaelis ist für mich eine Meisterin im Zeichnen von Bildern mit Worten und der Irreführung. Und das macht es etwas kompliziert und schreckt sicher den ein oder anderen ab. Man muss tatsächlich desöfteren aufpassen, dass man in der Geschichte oder in dem Riss der Realität nicht verloren geht. Doch das macht für mich den Reiz aus.

Ist dieser Roman ein typisches Jugendbuch? 

Nun was ist für mich ein typisches Jugendbuch (bitte nicht negativ sehen!!!)? Es beinhaltet die Probleme des Heranwachsen, wie z.B. die erste große Liebe, das erste Mal, aber auch die heute leider immer mehr zum Thema werdenden Probleme wie: Magersucht, Bulemie, Mobbing, Selbstverletzung bis hin zum Selbstmord. Die Themen sind vielfältig, aber dennoch unterscheiden sich viele Jugendbücher nicht in ihrem Muster. Vor diesem Hintergrund ist " Niemand liebt November" bei weitem kein typisches Jugendbuch!!! Es ist hart, es ist grausam, es ist über weite Strecken düster, kalt und trostlos. Und die Altersfreigabe ist wirklich nicht zu hoch angesetzt. Michaelis ist mutig und schneidet Themen an die für viele in dem Alter eher tabu sind (ich will nicht sagen welche, denn das wäre gespoilert). Das war bereits in "Der Märchenerzähler" so, aber hier noch ein Tick extremer. Sie lässt Amber leiden, lässt sie seelisch und moralisch tief sinken und man ist nie sicher, ob sie es von allein schafft sich zu befreien. 

Dazu kommen die Charaktere, die sich sehr zu anderen Büchern des Genres unterscheiden. Wir haben als Hauptprotagonistin natürlich November Lark, deren Leben 11 Jahre zuvor eine Wende genommen hat, die dazu führte, dass sie nun mit 17 Jahren eine unsichere, leicht aggressive und obdachlose junge Frau ist. Amber hat kaum Selbstwertgefühl, um in der Welt um sich herum zu bestehen erschafft sie sich quasi ein zweites Ich, Lucy. Lucy ist all das was Amber nicht ist. Doch Lucy ist zuviel von allem. Manches mal denkt man, dass es nun passiert ist und Amber schizophren geworden ist. Ihre Verwandlung, hat etwas von Metamorphose. Ihre beste und einzige Freundin ist ihre Katze, die immer und überall (ja und ich meine ÜBERALL)dabei ist. Manches mal musste ich schmunzeln, wenn ich mir meine Katzen als Schal um meinen Hals und als Hut auf meinem Kopf vorstellen wollte :).

Und dann ist da noch Katja. Katja war während des gesamten Romans das Licht am Horizont. Nein Katja ist keine Frau, Katja ist ein Mann und Barkeeper des Bottled in dem Amber auf der Suche nach ihren Eltern einen Job findet. Katja heißt Katja, weil er eine Tätowierung am Hals oder Brustkorb, ich weiß es gerade nicht mehr, trägt. Katja versucht auf seine Art Amber zu retten. Doch ist es schwer einen so verwundeten Menschen der sich selbst nichts wert ist zu helfen, gerade wenn man selbst seine Probleme mt sich rumträgt.

Neben diesen Beiden spielen auch noch andere Personen mehr oder weniger wichtige Rollen, auch wenn sie zumeist nur kurz auftreten. Alles ist in gewisser Weise miteinander verwoben. Amber trifft auf der Suche nach ihren Eltern auf völlig verschiedene Menschen und ihre Geschichten. Das ist faszinierend auch wenn man sich immer wieder fragt, was das jetzt wieder zu bedeuten hat.  Man durchschaut nichts und niemanden auf den ersten Blick. 

Sprachlich ist dieses Buch ein Meisterwerk. Michaelis hat Amber eine ganz eigene Sprache gegeben, die besonders in ihren Gedanken und ihrem Blick auf die Welt des Öfteren poetisch ist. Wie sagt Amber so schön: sie sammelt Wörter! Verpacken tut sie diese in Gedichte, wo jedes einzelne wirklich wunderschön ist. Jedes Kapitel beginnt mit solch einem Gedicht was sich in seinem Sinn auf den Inhalt bezieht. Das ist großartig gelungen und fügt sich stimmungsvoll ein. Wie auch in "Der Märchenerzähler" wählt Michaelis die kalte Jahreszeit in der ihre Geschichte spielt. Und auch hier ist dies ungemein passend. Was allein die Beschreibung des eiskalten Wetters an Atmosphäre hervorrufen kann ist faszinierend. 

Ambers Geschichte ist wirklich nichts für schwache Nerven. Sie regt auf, sie macht einen wütend, man verzweifelt und weint mit ihr. Sie zu begleiten liegt einem am Herzen. 

Fazit: Mein Lesehighlight 2014! Unglaublich intensiv, verwirrend, traurig und aufwühlend. Sprachlich so wunderbar, leicht poetisch. Ich kann es jedem nur empfehlen! Ein ganz tolles, herzzereißendes Buch!

Ich danke dem Oetinger Verlag ganz herzlich für die Bereitstellung dieses Buches!


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