Mittwoch, 25. Juni 2014

Schlechter als gedacht!

Rezension zu "Shades of Grey- Geheimes Verlangen" von E.L.James (Hörbuch)



Shades of Grey- Geheimes Verlangen

Original: Fifty Shades of Grey
Genre: Erotische Literatur
Hörbuch erschienen: 07/2012 der Hörverlag
Sprecherin: Merete Brettschneider
Laufzeit: 17Std 30min (2 MP3-CDs)
Preis: 10,99€

Meine Bewertung: 1,5 Federn!

Lange habe ich mich gewehrt. Lange habe ich jedes Gutgerede meiner Freundinnen ignoriert. Doch jetzt hab ich es getan. Wenn man täglich zwei Stunden pendelt, da hat man sehr viel Zeit und wie kann diese am Besten genutzt werden? Richtig, indem man Hörbücher hört. Und hey, dieses hier bietet 17 Stunden (SIEBZEHN STUNDEN!!!) "Unterhaltung" (wie man das so sehen möchte). Ich wusste ja nicht, auf was ich mich einlasse.

Jetzt wo es endlich vorbei ist, da muss ich wirklich sagen, dass ich...ja was bin ich...mein Unterbewusstsein guckt mich kritisch über seine Brille hinweg an: "Reni denk an die riesengroße Fangemeinde" flüstert es mir zu...ich ignoriere es und strecke ihm die Zunge raus, meine innere Göttin führt einen Freudentanz auf...ich bin erschüttert. Leider kann ich in keiner Weise den Hype um dieses Werk nachvollziehen. Ich habe es wirklich versucht, bin ganz unbeeinflusst ran gegangen, doch schon nach einem Drittel wollte ich meinen Kopf nur noch auf mein Lenkrad hauen. Doch was war so schlecht?

1. Die Charaktere: 
Flach, flacher, Mr.Christian Grey. Er ist reich, er sieht unglaublich gut aus, er ist intelligent, er kann Klavier spielen, er kann unglaublich gut f**, er hat die tollsten Augen, er hat einen Hubschrauber/Privatjet/gefühlte 20 Autos....habe ich was vergessen? Ach ja und er ist total verkorkst, launisch, sadistisch, versteht keinen Spaß, ist irgendwie im Mittelalter stehen geblieben. Also unsympathischer kann man seine Hauptfigur nicht machen. Halt doch es geht noch schlimmer, nämlich...

Miss Anastasia Steel! Mit 21 Jahren immer noch Jungfrau (dazu sage ich gar nichts, das finde ich wirklich aller Ehren wert!), hat keinerlei Erfahrungen mit Männern, war noch nie verliebt, was nicht an ihrem Aussehen liegt, sondern einfach daran, dass sie noch nicht den Richtigen gefunden hat. Die Gute lernt Mr. Grey kennen und zack eine Woche später ist sie entjungfert, hatte ihre ersten Orgasmen und steht kurz davor die Sklavin eines gutaussehenden Ekelpakets zu werden. Das nenne ich mal eine Entwicklung. Ja ich weiß, so ist das nun mal in der erotischen Literatur. Da hält man sich nicht groß an Kleinigkeiten auf. Sag ich auch nichts zu. Doch hier versucht die Autorin uns mit allerlei hochtrabenden Wortwechseln (am Liebsten in Email-Form, weil klein Ana sonst den Mund nicht aufbekommt) ein Niveau vorzuspielen, was es nicht gibt. Ana ist naiv, dumm und furchtbar nervig, zudem hat sie meines Erachtens schizophrene Züge an sich. Ihre besten Freunde sind Engelchen ( hier ihr Unterbewusstsein) und Teufelchen (ihre inner Göttin) mit denen sie sich gern rumstreitet. Im Großen und Ganzen liegt ihre Zuneigung für Christian im körperlichen begraben, denn wissen tut sie nichts über ihn, außer das oben bereits erwähnte. Und da der Herr sich auch kaum bis gar nicht in die Karten gucken lässt, ändert sich das auch nicht.

2. UNGLAUBLICH viele Wiederholungen: 
Was macht eine gute Autorin, bzw. einen guten Schreibstil aus? Kreativität! Und Kreativität beginnt schon bei der Wortwahl! Bereits im ersten Kapitel wurde klar, dass es der Autorin schon bei der Wortwahl an Kreativität mangelt. Ich habe nicht mitgezählt, aber auf den ersten 10 Seiten kam das Wort Sandstein sicher an die 8-10 Mal vor. Da habe ich mir noch nicht so große Gedanken gemacht, doch dann wurde es immer schlimmer. Worte wie: köstlich, Kontrollfreak, Baby (Ja auch der hochintelligente, imperiumsleitende Christian hat es nicht so mit der Kreativität),... gingen mir nach der Hälfte auf die Nerven, dazu kamen die immer gleichen Redewendungen (ich verdrehe die Augen ;)) die deutlich das fehlende Schreibtalent zeigten. Mein Highlight sind immer noch Anas Muskeln im Unterleib die sich gar köstlich in jeder Situation zusammen ziehen. Toll auch die immer wieder auftretende Kavanagh-Inquisition und "Ich will, das du isst!" "Warum will er, das ich esse?". Zudem läuft Miss Steel auf jeder zweiten Seite rot an und kaut auf ihrer Unterlippe, wenn sie nicht gerade auf ihre Hände starrt. Unterbewusstsein und Göttin sind auch wahre Wiederholungstäter. Aber den Vogel schießt die Autorin mit dem elendigen Vertrag ab. Das verdirbt auf solch penetrante Weise das Lese- bzw in diesem Fall Hörvergnügen, das ich am liebsten abgeschaltet hätte. Man kennt das ja, achtet man erst einmal drauf, dann fällt es noch stärker auf. Aber man ist ja doch neugierig, schließlich soll es doch soooo heiß hergehen zwischen den Beiden.

3. Die Story: 
Ja es gibt auch eine Story. Unbedarftes Mädchen trifft auf schwerreichen aber auch schwer (emotional) gestörten Dreamboy und verfällt ihm mit Haut und Haaren. Dreamboy möchte aber keinen Blümchensex, sondern steht darauf auch mal zu zu hauen. Damit man sich aber einig ist, wie dolle er Hauen darf und mit was wird ein Vertrag aufgesetzt, den es zu unterschreiben gilt. Mädchen ist sich nun aber völlig unsicher. Was soll sie tun?

Im Groben ist es das auch schon. Ausgeschmückt wird das Ganze mit den Selbstzweifeln Anas, ihrer Angst vor Christian, vor den Schmerzen, vor der gemeinsamen Zukunft oder eher der vielleicht nicht gemeinsamen Zukunft...und natürlich Sex. Diesen gibt es reichlich in allen Möglichen Varianten. Doch überraschender Weise, waren die Beschreibungen recht ansprechend. Das kann die Autorin. Und wer bei Thema BDSM hier dachte es ginge nur um Sado-Maso, Fesseln, Schläge, Peitschen...der täuscht sich. Mr. Grey holt zwar seine Gerte raus, aber ich denke das ist wirklich ziemlich harmlos und für die SM-Szene mehr ein Streichelspiel. 

Was mich aber wirklich aufregte, war dieses ständige Überreden wollen von Christian und dieses Hü und Hott von Ana. Man kann von solcherlei Neigungen halten was man mag, man muss es nicht verstehen, aber weder sollte man Vorurteile Menschen gegenüber haben, die sich so ihrer sexuelle Befriedigung holen, noch sollte man andere Menschen mit Druck überreden wollen, es zu machen, obwohl sie nicht überzeugt davon sind, ja sogar Angst davor haben. Und am allerschlimmsten fand ich die Situationen, wenn Ana offen zeigt, dass sie Angst vor Schlägen hat, es sogar sagt, dass sie nicht geschlagen werden will und er ihr trotzdem wieder und wieder damit droht. Nee, also da hört es auf! Aber Ana ist nun einmal eine, endschuldigt den Ausdruck, dumme Nuss und akzeptiert alles.

Fazit: Alles in einem ist "Shades of Grey" wirklich nichts für mich. Ein schlechter Schreibstil, ständige Wiederholungen, eine nervige und überaus naive ja zuweilen dumme Hauptprotagonistin, ein eingebildeter, leicht sadistischer, unsympathischer Kotzbrocken als männliche Hauptfigur vermiesen das Buch. Einzig die erotischen Szenen sind ganz nett beschrieben. Aber das reicht leider nicht!

Eine kleine Anmerkung möchte ich aber noch zu Merete Brettschneider machen. Ihre Stimme passt perfekt zu der naiven Figur Anas. Sie macht ihre Arbeit gut und es ist angenehm ihr zu folgen. Das ist uneingeschränkt das Positive an diesem Hörbuch!

Kommentare:

  1. Hey =)
    Sehr amüsante geschrieben Rezi. Ganz Unrecht hast du nicht ^^. Ich gebe zu das Buch nur auf Grund des Hypes gelesen zu haben. Den ersten Band fand ich auch noch ganz unterhaltsam, aber das hat mit den Folgebänden immer weiter nachgelassen. Den letzten hab ich dann gar nicht mehr bis zum Ende gelesen. Ich war einfach zu genervt ^^

    LG
    Anja

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    1. Hallo liebe Anja,

      ja also ich werde sicher auch nicht mehr als diesen einen Teil hören. Ehrlich gesagt bin ich heilfroh, dass ich meine Zeit nicht mit dem Lesen dieses Buches verschenkt habe. So tut es mir nicht so weh, im Auto habe ich nichts Besseres zu tun. Ich bin nur so verwundert über meine ganzen Bekannten, die dieses Werk in den höchsten Tönen gelobt haben. Und ich weiß auch nicht was so anders hier sein soll, als an anderen Erotik-Romanen. Nur wegen dem Thema BDSM? Ich komme nicht dahinter. Kann den Hype nicht nachvollziehen.

      LG

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  2. Ich musste schmunzeln. :D
    Tolle Rezi.

    Der eigentliche Witz ist, dass alle die das Buch im Original gelesen haben, sagen dass die deutsche Übersetzerin das Buch noch mal richtig aufgewertet hätte.
    (Haben mir wirklich einige bestätigt, dass die englische stilistisch noch viel viel viel viel schlechter sein muss, als unsere deutsche).

    Ich lese ja auch viele erotische Romane, aber ich habe mich bis heute standhaft geweigert Shades zu lesen/hören. Einfach weil Hype-Bücher in den meisten Fällen riesen Enttäuschungen sind. Und wenn mich Wanderhuren, Eragon und der letzte Dan Brown schon stinkwütend wegen der verschwendeten Lebenszeit gemacht haben, weiß ich nicht, wie ich bei Shades ausrasten würde.

    Das ist für mich einfach ein Buch, das all die Menschen lesen, die ihr "ein Buch im Jahr" Konsequent durchziehen. Nur das lesen, was jeder schon gelesen hat, nicht weil es gut wäre, sondern weil man mit drüber reden will. (Wie bei Feuchtgebiete ... noch sein Ignore-Buch auf meiner Liste).

    Ich kann gar nicht verstehen, warum JEDER das gelesen hat. Sogar die älteren Damen bei mir auf Arbeit, die mich anschauen wie ein Bagger, wenn ich ihnen erzähle, dass ich gern M/M Novellen lese. Aber Shades ist in Ordnung ;)

    lg

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    1. :) freut mich, das du schmunzeln musstest.

      ha, das ist wirklich gut, was du sagst mit den Leuten die ihr "ein Buch pro Jahr" durchziehen. Da hast du recht. Wenn ich mir die Leute anschaue, die es mir empfohlen haben, trifft es voll zu. Da kamen dann immer solche Sprüche wie: Eigentlich lese ich ja nicht, aber dieses Buch habe ich verschlungen...! Mit einer habe ich jetzt schon mal geredet und musste ihr leider sagen, dass ich im Bezug erotischer Literatur schon weitaus anderes gelesen habe. Allein was die erotische Fantasylektüren da bereit halten ist um so so sooooooo viel besser. Aber naja, will ja auch keinen bekehren.

      Was, das Original ist noch schlechter? Oh weia, das ist erschreckend. Das muss ich mir mal anschauen. Unglaublich, dass sowas so einen Erfolg hat. Davor gab es doch auch schon solche Romane. Warum ist gerade dieses sowas von erfolgreich?

      Feuchtgebiete steht bei mir auch auf der "Wirst-du-niemals-nicht-lesen-Liste" Auch den Film werde ich mir nie anschauen. Während ich echt überlege in Shades of Grey zu gehen, nur um zu sehen, ob man da vielleicht was rausholen konnte. Und ob es die kleine Göttin in die Besetzung geschafft hat, muahahah.

      LG

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    2. Also ich geh in den Film.
      Mädelskino mit Sekt und drei verrückten Weibern an meiner Seite. DAS ziehen wir durch. :D

      Erfolg: Falls du es noch nicht weißt, Shades WAR mal ne Twilight-Fan-Fiction mit Sex

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    3. Ich hab jetzt auch mit meinen begeisterten Shades-Anhängerinnen-Freundinnen beschlossen da rein zu gehen. Ich bin mal gespannt. Sie sind zwar beide gegen die Besetzung, da Jamie Dornan nicht ihrer Vorstellung von Christian Grey entspricht, aber naja ich finde ihn wirklich nicht so schlecht. Ich lass mich überraschen.

      Ja das wusste ich, obwohl mir wohl die Fantasie fehlt hier Twillight zu finden. Aber das kommt auch sicher davon, dass ich kein Twillight-Fan bin. Muss denn alles, was im Entferntesten mit dieser Vampir-Schmonzette in Verbindung gebracht wird gleich zum Erfolg werden? :( Mir nicht verständlich ;)

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  3. Hah! Gut, dass es mir nicht als Einzige so ging. Ich habe es aus reiner Neugier gelesen und dann durchgezogen, aber beeindruckt war ich sicher nicht.^^
    Meine Rezi dazu: http://www.grikasbuecherwahnsinn.de/buchrezension-shade-of-grey-e-l-james/

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  4. Hey,
    mir geht es, was die Protagonisten angeht, einfach genauso. Schrecklich. Die beiden zerstören das Buch einfach. Ich hab noch den dritten Teil vor mir und werde mir auch wohl den Film angucken :D
    ist echt nett hier, deshalb tagge ich dich: http://lieblingsecke.blogspot.de/2015/01/tag-sisterhood-of-world-bloggers-award.html

    Lieben Gruß

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