Montag, 21. April 2014

Zwei Schicksale die vereinen

Rezension zu "Noah und Echo- Liebe kennt keine Grenzen" von Katie McGarry


Noah und Echo- Liebe kennt keine Grenzen von Katie McGarry

Original: Pushing the Limits
Erschienen: 02/2014 im Oetinger Verlag
Genre: Drama, Young Adult
FSK: ab 14 Jahren
Seiten: 416 Seiten
Preis: 18,95€ als HC, 14,99€ als ebook

Meine Bewertung: 4 Federn

Zwei junge Menschen, die auf tragische Weise aus ihrer heilen Welt gerissen wurden und sich nun versuchen in ihrer harten und bitteren Realität zurecht zu finden, dass sind Noah und Echo. Ihre Schicksale unterscheiden sich sehr, doch haben in ihrem seelischen Ballast vieles gemeinsam. Gerade deswegen finden sie zusammen, und versuchen sich gegenseitig zu stützen, zu stärken und Halt zu geben. Das so ein Weg steinig ist, gerade wenn man selbst einen Berg an Problemen hat, die man versucht dem anderen nicht auch noch aufzuladen, können wir hier sehen. Wir begleiten die Beiden auf der Suche nach Wahrheiten, in ihrem Kampf um Gerechtigkeit und ihrer Liebe und werden dabei Zeugen von psychischen Abgründen, die uns traurig aber auch wütend machen und unglaublicher seelischer Stärke, die zu beeindrucken vermag!


Zum Inhalt:
Dunkle Geheimnisse und eine Liebe, die unter die Haut geht: Noah und Echo.

Früher gehörte Echo zu den beliebtesten Mädchen ihrer Schule. Doch eine Nacht, an die sie sich nicht erinnern kann, hat alles verändert. Um herauszufinden, was in jener Nacht wirklich passiert ist, braucht Echo Informationen aus ihrer Therapieakte. Dabei hilft ihr ausgerechnet Noah, der „bad boy“ der Schule. Nicht ahnend, was die Wahrheit bringen wird, verlieben sich die beiden leidenschaftlich ineinander.(Quelle: Oetinger Verlag)

Meine Meinung:
Zugegeben der Klappentext, wie auch der Titel sprechen für eine "abgegriffene" Young Adult Story, die man schon kennt, in der die Protagonisten im Klischeetümpel ertrinken und man keine großen Überraschungen erwartet. Doch bei diesem Debüt aus der Feder von Katie McGarry handelt es sich bei Weitem um mehr, als eine ganz nette Geschichte. Die Autorin lässt uns hier in wechselnden Sichtweisen mal in das Innerste Echos und mal in den Kopf von Noah schauen und dabei versinken wir tief in den Zweifeln, den Ängsten und inneren Kämpfen der beiden Charaktere. Die Autorin geht sensibel vor und schafft es durch einen schönen, flüssigen Schreibstil, dass man sich ganz in den Figuren verlieren kann.
Während Echo mit ihrem Gedächtnisverlust nach einem furchtbaren Ereignis kämpft, im Laufe dessen sie schlimme Narben an den Armen davon getragen hat, versucht Noah alles das Sorgerecht für seine zwei jüngeren Brüder zu bekommen, von denen er nach dem Tod seiner Eltern getrennt wurde. Beide Schicksale unterscheiden sich stark von einander, gleichen sich aber in ihrem Ergebnis: zwei gebrochene Menschen. Beide gehen mit ihrem Schicksal sehr unterschiedlich um. Echo zieht sich immer mehr zurück, versteckt ihre Narben und auch sich selbst. Noah dagegen ist ein Draufgänger und scheint überaus selbstsicher, sein Lieblingswort ist "Scheiße" und auf den Tratsch gibt er nichts. Doch tief im Inneren sehnen sich Beide nach Normalität.
Die Autorin hat mit den zwei Hauptprotagonisten wirklich sehr tiefgründige und wunderbar ausgearbeitete Charaktere geschaffen, in die man sich gut hineinversetzen kann. Dabei hat mir Echo ausnahmslos gut gefallen. Sie ist eine starke Persönlichkeit, die ein so hartes Schicksal hat, sich dadurch aber keineswegs unterkriegen lässt. Ich konnte so sehr mit ihr fühlen, war mit ihr wütend, habe mit ihr gebangt...Was sie durchmachen musste, nicht nur die Geschichte rund um ihre Narben, sondern auch um ihren Vater und seiner neuen Frau, dass hätte fast jeden gebrochen. Doch sie schafft es sich aus dem Sumpf der schlechten Gefühle zu ziehen und dabei hilft ihr Noah auf wunderbare Weise. Gemeinsam sind sie ein sehr schönes Paar, was zusammen passt.
Mit Noah hatte ich einige Schwierigkeiten. Während ich seine direkte und unverhohlende Art sehr mochte, so stieß mir seine Engstirnigkeit sauer auf. Diese Art alle Erwachsenen erstmal über einen Kamm zu scheren und selbst so einer Person wie der Psychologin Mrs.Collins (eine meiner Lieblingsfiguren) nur Misstrauen und Feindseligkeit entgegenzubringen, war für mich bis zu einem gewissen Punkt rechtfertigbar, aber dann auch langsam nervig. Da war Echo sehr viel zugänglicher. Ihr Einfluss auf Noah schaffte es dann zum Glück auch, dass er charakterlich eine Kehrtwende macht und mir zum Ende wieder sehr viel mehr Sympathie entlockte.
Was mir jedoch in keinster Weise gefallen hat und mich auch dazu brachte eine Feder abzuziehen, dass waren die furchtbaren, ja geradezu grausam oberflächlichen Klischee-Freunde Echos. Angefangen bei ihrer tollen "besten" Freundin Lila, die in ihrer schillernden "Gute-Laune-Friede-Freude-Eierkuchen"-Blase durch die Gänge der Highschool schlendert, über Grace, der Ruf vor Freundschaft geht zu Natalie die als Fähnchen im Wind sich stets das geringste Übel aussucht bis hin zu dem absolut widerwärtigen Luke, der meint mit Sex alles wieder auf Normalmodus zu bekommen. Ich war wirklich geschockt über diese Vielfalt an Oberflächlichkeit, wo es allein schon ein Drama ist, wenn man einem anderem Jungen, als den, von den Freundinnen ausgesuchten Dreamboy, öffentlich seine geborgte Jacke zurück gibt. An einigen Stellen wurde mir übel von ihrem Verhalten und ich konnte nicht im geringsten Nachvollziehen, wie Echo trotz ihrer vielen Probleme auch noch mit aller Kraft versuchte diesen Schnepfen zu gefallen. 
Ganz anders waren da Isiaha und Beth, die mit Noah durch dick und dünn gehen, die füreinander einstehen und keine Konflikte scheuen. Spätestens als Echo diese Freundschaft gesehen hatte, hätte sie sich wirklich fragen müssen, ob Lila und Co. tatsächlich Freunde sind. Das tat sie aber nicht wirklich und das fand ich schade.

Zusammenfassend hat mich das Buch durch die beiden starken und vielschichtigen Hauptprotagonisten und die sehr bewegenden und zum Teil schockierenden Geschichten hinter ihnen fesseln können. Dabei ging mir besonders Echos Schicksal sehr nah und hat mich tief bewegt zurück gelassen. Ihre Stärke und ihr Mut sind beeindruckend gewesen. Noah und seine Brüder sind rührend zusammen und ich musste gerade zum Ende hin ein paar Tränen verdrücken.

Fazit: Ein starkes Buch über zwei junge Menschen die sich zusammen aus ihrem seelischen Tief arbeiten und dabei die Liebe zueinander entdecken. Sehr berührend und tiefgründig mit einer Spur Spannung, denn was Echo wirklich zugestoßen ist wird erst am Schluss entdeckt. Jedoch ein Minuspunkt durch zu oberflächliche Charaktere rund um Echo.

Kleine Information am Rande: Es gibt weitere Teile Rund um die Clique von Noah. Im zweiten Teil: Crash into you geht es um Isaiha!



Herzlich bedanke ich mich beim Oetinger Verlag für die Bereitstellung dieses Buches!

PS: Ich habe vor "Noah und Echo" das Buch "Die Sache mit Callie und Kayden" gelesen. Im Nachhinein ist dies ganz sicher negativ für "Noah und Echo", denn wenn ich die beiden Geschichten vergleiche, und davor bin ich nun mal nicht gefeit, so kommt das Werk von Katie McGarry nicht an Sorensen ran. In beiden Büchern geht es um harte Schicksale, und der Kampf gegen die eigenen Ängste und Schwächen, doch Sorensen konnte mich noch mehr mitreißen.

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