Freitag, 11. Oktober 2013

Voll intensiver Gefühle!

Rezension zu "Ich fürchte mich nicht" von Tahereh Mafi


Ich fürchte mich nicht- Tahereh Mafi
Original: Shatter me
Erschienen: 07/2012 bei RandomHouse-Goldmann Verlag
Genre: Dystopie
Seitenzahl: 320
Preis: 16,99€ Hardcover, 13,99€ ebook
Link zum Verlag: Ich fürchte mich nicht bei Goldmann

Meine Bewertung: 5 Federn




Ich weiß nicht, wie lange ich um dieses Buch rumschlawänzelt bin, ohne den nötigen Anschub zu haben es zu lesen. Mehrmals blätterte ich die ersten Seiten durch und war von dem Schreibstil und auch von der Art der Erzählweise etwas abgeschreckt. Doch jetzt bin ich den Schritt gegangen und muss nun sagen: WAS FÜR EIN GLÜCK! Denn es wäre ein wahrer Genuss an mir vorbei gegangen.

Zum Inhalt:
Ich bin verflucht.
Ich habe eine Gabe.

Ich bin tödlich.
Ich bin das Leben.

Niemand darf mich berühren.
Berühr mich.

Ihr Leben lang war Juliette allein, eine Ausgestoßene - ein Monster. Ihre Berührung ist tödlich, ihre Kräfte sind unmenschlich, man fürchtet sie, hat sie weggesperrt. Bis die Machthaber einer fast zerstörten Welt sich ihrer als Waffe bedienen möchten. Juliette weigert sich, beschließt zu kämpfen. Gegen die, die sie gefangen halten, gegen sich selbst, das Dunkel in ihr. An ihrer Seite ein Mann, zu dem sie sich unaufhaltsam hingezogen fühlt. Ihn zu berühren ist ihr sehnlichster Wunsch - und ihre größte Furcht.



Meine Meinung:

"Die Erde ist eine Scheibe. Das weiß ich, weil ich vom Rand gestoßen wurde, und seit 17 Jahren versuche mich daran festzuhalten. Seit 17 Jahren versuche ich auf die Scheibe zu klettern, aber man kann die Schwerkraft nicht bezwingen, wenn niemand  einem die Hand reicht. Wenn niemand wagt einen zu berühren." (S. 31)

Die Welt, in der wir uns befinden, scheint zu Grunde zu gehen. Das Wetter spielt verrrückt, Umweltverschmutzung und -zerstörung führen zu großer Armut der Bevölkerung, die Ressourcen gehen aus. Das Szenario ist nicht neu und auch nicht neu ist, dass sich natürlich gerade dann, wenn die Menschen vor dem Abgrund stehen eine Regierung, hier Reestablishment, aufschwingt und die Macht versucht an sich zu reißen (hier finden wir ziemlich klare Parallelen zum Dritten Reich). Sowas finden wir inzwischen in jeder zweiten Dystopie. Was also macht dieses Buch so besonders?  
Als Erstes ist es für mich der außergewöhnliche Stil Mafis gewesen, mit der sie Juliette eine solche Charaktertiefe verpasste, dass man mit ihr leidet, träumt und hofft, sich fast komplett in ihr verliert.
Juliette ist eine Ausgestoßene und hat niemals freundliche oder gar liebevolle Fürsorge oder Gefühle entgegen gebracht bekommen. Sie kennt sich selbst kaum, hat seit Jahren nicht mehr in den Spiegel gesehen und hält sich für ein Monstrum, was man ihr auch nur zu gern zu verstehen gegeben hat. Ihr Alleinsein, ihre soziale Isolation, ihr Mangel an gefühlvoller Nähe, das alles ließ sie an den Rande des Wahnsinns zurück. Die Autorin schildert dies in einem unglaublich intensiven Schreibstil, an den man sich aber gewöhnen muss. Juliette spricht vieles, was in ihrem Kopf ist nicht aus, oder verbietet es sich Bestimmtes nur zu denken. Mafi zeigt uns das, indem sie solches Gedankengut einfach durchstreicht. So ein Stil war mir gänzlich neu, aber ich muss sagen, ich finde dieses stilistische Mittel wirklich gut gewählt. Zudem scheut sich die Autorin auch nicht immer wieder Wiederholungen einzubauen, die einem aber nicht sauer aufstoßen, im Gegenteil, sie entsprechen ganz und gar der nervösen und gepeinigten Seele Juliettes. Wir erleben die Geschehnisse durch ihre Augen, sind bei jeder Berührung oder Nicht-Berührung dabei und nehmen komplett teil an ihrer zerrissenen Welt. 
Zum Zweiten sind es die Charaktere. Juliette ist eine wirklich ganz wunderbar gelungene Protagonistin. Genau die richtige Mischung zwischen verletzlichem Mädchen und wahrer Heldin. Sie ist sympathsich und authentisch, nie übertrieben dargestellt.
Bei Adam wurden mir fast die Knie flatterig, man steckt ja auch richtig in Juliettes Haut. Seine Geschichte hat mich sehr gerührt und seine gefühlvolle Art fand ich liebenswert. Er ist stark, mutig und ehrlich, gepaart mit einem großen Beschützerinstinkt. Was will Frau mehr :).
Warner ist ein unberechenbarer aber durchaus sehr interessanter Charakter.Ich habe immer schon einen Hang für die dunkle Seite gehabt, deshalb hat er mich wirklich angesprochen. Seine Gefühle für Juliette scheinen ehrlich zu sein, doch seine Art sie ihr zu zeigen sind vielleicht etwas zu drängend. 
Mein heimlicher Held war aber ganz klar Kenji. Mit ihm bringt Mafi den, für mich immer durchaus geschätzten, gewissen Humor in die Geschichte und lockert alles etwas auf. Dabei wirkt es nie albern oder unangebracht. 

Die Geschichte um die speziellen Fähigkeiten hat mich die ganze Zeit sehr an Marvel´s X-Men erinnert, wobei Juliette starke Ähnlichkeit mit Rogue hat. Ich denke auch fast, dass es auf Genmutation hinauslaufen wird. Man könnte nun natürlich sagen, dass Mafi die Idee geklaut haben könnte, aber die eigentlich Geschichte und die Charaktere sind das Auschlaggebende und die sind in ihrer Entwicklung neu. Und mal ehrlich, auch Marvel hat hier das Rad nicht neu erfunden. 

Fazit: Eine tolle Dystopie mit einer starken und intensiv fühlenden Heldin. Ein Schreibstil, der den Leser nach anfänglichen Schwierigkeiten mitzureißen versteht. Spannend, fesselnd, romantisch einfach unglaublich gut! Absolut empfehlenswert!


Und zur Einstimmung hier das passende Video




Kommentare:

  1. Huhu =)
    Schöne Rezi und "X-Men" war auch mein Gedanke bei Band 1. =D Vielleicht mag ich die Buchreihe auch deswegen so sehr xD Bin direkt mal Leser geworden, denn was ich bisher so sehe gefällt mir richtig gut.^^

    Ganz liebe Grüße
    Katie

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  2. Huhu, begrüße dich recht herzlich hier! Ja ich denke ein kleiner Teil von mir, mag die Reihe deshalb auch besonders. X-Men ist einfach kultig! Rogue war auch immer eine meiner Lieblingsfiguren, weil sie, wie kaum ein Anderer die negative Seite der Mutationen darstellte.

    LG

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