Freitag, 11. Oktober 2013

Hat mir nicht gefallen

Rezension zu "Juliette Society" von Sasha Grey

Die Juliette Society- Sasha Grey (Hörbuch)
Original: Juliette Society (Grand Central)
Erschienen: 09/2013 bei Random House
Genre: Erotik
Laufzeit: 413 min auf 6 CDs
FSK: ab 18 Jahren
Preis: 19,99€
Link zum Verlag: Juliette Society bei Random House Audio

Meine Bewertung: 2 Federn

   

Hier haben wir mal wieder einen Fall, bei dem der kurze Klappentext zuviel verspricht auch irgendwie gar nicht richtig stimmt und somit die Enttäuschung vorprogrammiert ist. Ich frage mich immer wieder, warum man sein Buch durch falsche Darstellung in den Inhaltsangaben interessanter gestalten will, da der Schuss meist nach hinten losgeht. Und so ist es auch hier.

Zum Inhalt:

EROTISCH, VERLETZLICH, WAHRHAFTIG - HUNDERT PROZENT SASHA GREY. Die Filmstudentin Catherine hat ein Geheimnis. Einen langgehegten Traum, der Ursprung aller ihrer sexuellen Fantasien ist. Eines Abends trifft sie in einem Club auf einen Mann, der sie in eine fremde Welt entführt. Bald tritt sie der exklusiven Juliette Society bei, einer Geheimgesellschaft, in der sie ihre tiefsten und dunkelsten Fantasien auslebt. Doch wer dieser Welt beitritt, für den gibt es kein Zurück mehr


Meine Meinung:
Der Klappentext klingt ja schon recht spannend, doch was bei raus kam ist nicht vergleichbar mit der angekündigten Geschichte.
Zu Allererst möchte ich aber den Schreibstil Greys loben. Er ist flüssig und manchmal auch leicht poetisch angehaucht. Sie versteht es ihr Wissen um die Filmbranche mit einfließen zu lassen, und dabei rede ich nicht nur vom Pornogenre sondern allgemein. Sie lässt immer wieder Filmanalysen von Klassikern einfließen, die wunderbar zur jeweiligen Situation passen. Dabei schweift sie allerdings manches Mal wirklich ab, so dass sie sich in Belanglosem verheddert. Dennoch führte dieses fundierte Wissen und die intelligente Ausdrucksweise dazu, dass man nicht das Gefühl hatte einzig eine Aneinanderreihung von verschieden Sexszenen ohne Sinn und Verstand vor sich zu haben. Das ist allerdings auch schon das Einzige was mir ausnahmslos positiv aufgefallen ist. Der Rest geht leider in einer oberflächlichen, ziemlich schlecht konstruierten Story unter.

Komme ich nochmal zurück zur falschen bzw. vielleicht zu frei interpretierten Inhaltsangabe: Hier ist die Rede von:
Eines Abends trifft sie in einem Club auf einen Mann, der sie in eine fremde Welt entführt. So genau weiß ich gar nicht wer oder welche Sitution da gemeint ist. Ist der schmierig widerliche Bundy gemeint, den Catherine durch ihre "beste" absolut sexbesessene Freundin Anna kennelernt und der ihnen einen Fahrservice zu Partys organisiert? Oder ist der maskierte Mann auf der "Orgien"-Party der Juliette Society gemeint. Keiner der Beiden führt sie irgendwo ein. Eher ist es Anna, die sie in eine neue sexuelle Welt mitnimmt. Aber vielleicht klingt das nicht so toll.
Das nächste ist:
Bald tritt sie der exklusiven Juliette Society bei, einer Geheimgesellschaft, in der sie ihre tiefsten und dunkelsten Fantasien auslebt. Doch wer dieser Welt beitritt, für den gibt es kein Zurück mehr. Das passiert eigentlich gar nicht. Überhaupt bekommt die Juliette Society kaum Aufmerksamkeit und auch kaum Bedeutung. Außer kruz vor Ende, was ich sowas von Abstrus und an den Haaren herbei gezogen empfand. Hier versinkt die Geschichte in unreallistischem Klischeetümpel. Im Nachhinein kann ich mir nicht erklären, warum Grey ihrem Buch diesen Titel gegeben hat. Alles andere hätte mehr gepasst als dieser.

Catherine ist als Protagonistin mal sehr authetisch, mal nur absurd. Wir erleben das gesamte Geschehen aus ihren Augen in der Ich-Perspektive, was uns zwar hautnah dabei sein lässt, dennoch baut Grey eine große Distanz auf, die ich nicht überschreiten konnte. Auf der einen Seite konnte ich Catherine verstehen, ihren sexuellen Frust und ihre Phantasien nachvollziehen, aber weiter hinaus ging es nicht. Schon ihre Freundschaft mit Anna, die in meinen Augen eine hirnlose Nymphomanin ist, entzieht sich meines Horizontes.
Alle anderen Charaktere bleiben blass und seelenlos. Selbst Jack, Catherines Freund, ist nicht mehr als eine kleine Nebenrolle.
Die Sexszenen sind zumeist sehr detailliert und manchmal überaus erotisch manchmal aber auch sehr übertrieben dargestellt. Die Autorin brachte natürlich einiges an Erfahrung mithinein, was man auch merkt. Manche Praktiken sind sicher eher nicht aus der Sparte "Otto-Normal-Praktik". Insgesamt übertreibt sie es aber nicht mit dem Sex, allerdings mit dem Wort. Manchmal hat man das Gefühl jedes zweite Wort wäre F***, Poppen, vögeln...

Natürlich ist es ein Erotikroman und viele erwarten keine große Story dahinter, sondern wollen nur ihren Phantasien und Kopfkino freien Lauf lassen. Doch ich brauche auch eine Geschichte. Diese war hier im Ansatz durchaus Anfangs da, aber leider geht sie im Laufe der Seiten bzw. bei mir Hörminuten verloren und übrig bleibt ein konstruktloses pseudointelligentes Geplätscher.

Fazit: Viel Wind um nichts! Die Story soll intelligent und anders wirken, tut es aber durch Belanglosigkeit und mangelnde Substanz nicht. Selbst diejenigen, die einzig auf erotische Darstellung und detallierte Sexszenen aus sind, sind hier falsch, denn dafür wird viel drum herum geredet und philosophiert. Ich kann es nicht weiter empfehlen


Herzlich bedanke ich mich bei dem Verlag Random House  und Lovelybooks für die Bereitstellung dieses Hörbuches!

Kommentare:

  1. Ich hab jetzt noch zwei CDs und irgendwie ... Oo

    Jetzt nachdem ich deine Rezi gelesen hab, bekomm ich bestätigt, was ich mir die ganze Zeit eh schon denke Oo Much ado about nothing. Wie bei so vielem anderen auch.

    lg
    Dina

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  2. Hm, Geschmäcker sind ja verschieden, aber ich glaube da werden die Meinungen nicht sehr weit auseinander klaffen. Ich hatte anfangs wirklich Hoffnung, aber die ist zeimlich zerschlagen wurden. Dir trotzdem noch interessante Hörminuten. Bin gespannt wie du es am Schluss finden wirst!

    LG Reni

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