Freitag, 18. Oktober 2013

Eine Liebe so groß...

Rezenzion zu "forbidden" von Tabitha Suzuma


forbidden- Tabitha Suzuma
Original: forbidden
Erschienen: 08/2011 im Oetinger-Verlag

Genre: Drama, Jugendbuch
Seitenzahl: 448
Preis: 17,95€ Hardcover, 12,99€ ebook
Link zum Verlag: forbidden bei Oetinger



Meine Bewertung: 4 Federn 




...und so absolut hoffnungslos. Ist die Thematik bekannt, so ist jedem klar, diese Geschichte kann gar nicht gut ausgehen. Es ist also nicht der Wunsch nach einem Buch mit Happy End, der mich durch die Seiten trieb, sondern die Handlung, ihre Entwicklung und die Tiefe der Figuren, die mich fesselten.

Zum Inhalt:
 Die sechzehnjährige Maya und ihr ein Jahr älterer Bruder Lochan kümmern sich um ihre drei jüngeren Geschwister, während ihre Mutter sich dem Alkohol und ihrem Liebhaber zuwendet. Verzweifelt versuchen die beiden, ihre Familie zu erhalten und kommen sich dabei immer näher. Sie wissen, was der andere denkt und fühlt, geben sich Halt und sind sich gegenseitig Trost. Eines Tages wird mehr aus ihrer Beziehung. Maya und Lochan wissen, dass sie etwas Verbotenes tun, aber ihre Gefühle sind stärker und sie können nicht mehr ohne den anderen sein. Denn: Wie kann sich etwas Falsches so richtig anfühlen? 



Meine Meinung
Die erste große Liebe ist immer etwas Besonderes. In dem Alter, in dem sie meist erlebt wird, strotzt man nicht vor Vernunft oder Klarsicht. Nein, die Welt dreht sich einzig um die Person, an die man das erste Mal sein Herz verschenkt. Die Umwelt ist egal, auch die Meinung der Anderen interessiert nicht. So geht es im Großen und Ganzem auch Maya und Lochan. In dem Moment, in dem sie sich entschieden haben, ihre Liebe zueinander zuzulassen, denken sie zwar über ihre Konsequenzen nach, doch sind sie ihnen nicht so wichtig, wie ihre Gefühle zueinander. 
Es ist eigentlich keineswegs verwunderlich, dass Maya und Lochan sich zueinander hingezogen fühlen, da sie in ihrem Alltag quasi als Ehepaar und Eltern agieren müssen. Die gemeinsame Verantwortung für die jüngeren Geschwister schweißt sie eng zusammen. Für andere Kontakte ist in ihrer Welt kaum Platz. Ich stelle es mir auch schwer vor Freunde im selben Alter zu finden, wenn man eigentlich schon in der Entwicklung weiter ist bzw. sein muss um für eine Fünfjährige zu sorgen. Die Autorin kann diese Situation wirklich gut darstellen, indem sie die Geschichte fast ausschließlich im familiären Umfeld spielen lässt. Figuren außerhalb dieses Kreises gibt es eigentlich nur eine, die zwar häufiger erwähnt wird, aber keine weitere Bedeutung bekommt und das ist Mayas Freundin Francie. Dennoch schafft Suzuma es durch ihren schönen, flüssigen und intensiven Schreibstil, dass diese Tatsache nie zu Längen führt. Und auch wenn sich die Tage oft gleichen, so sind die ständigen Diskussionen zwischen Lochan und Kit, die neidliche und so wunderbar kindliche Art von Willa und die leichte Hyperaktivität Tiffins so abwechslungsreich, dass es nicht langatmig wird.
Die Situation der kleinen Familie schildert uns Suzuma durch wirklich sehr deprimierende Szenen. Oft ist die Verzweiflung und Erschöpfung der Protagonisten fast greifbar und die Wut und Traurigkeit so unglaublich verständlich dargestellt. Es tut mir immer sehr weh, wenn Kinder/Jugendliche ihrer Kindheit beraubt werden so wie Maya und Lochan. Ich kann einfach nicht nachvollziehen, wie Eltern ihren Kindern so etwas antun können. Und leider gibt es solche Fälle nun mal zu oft. Was bleibt solchen Kindern? Es ist doch nur allzu verständlich, dass eine so junge Seele solche Entwicklungen nicht unbeschadet übersteht. 

Kommen wir zu den zwei Hauptcharakteren: Lochan war für mich ein sehr trauriger aber liebenswerter Charakter. Ein Junge der es nicht schafft mit seinen vielen turbulenten Gefühlen umzugehen. Der Umgang mit Fremden ist für ihn ein riesen großes Handicap und in der Familie setzt er sich viel zu sehr unter Druck. Seine Gefühle für Maya sind für ihn auf der einen Seite der Halt, den er braucht, um den Stress durch Schule und Familie zu überstehen, auf der anderen Seite aber auch zu einem großen Teil Schuld an seinen seelischen Qualen. 
Maya ist die Unvernünftigere der Beiden. Sie setzt Lochan einige Male unter Druck mit ihren wilden Gefühlen, sieht nicht wie er die Straftat dahinter. Daher konnte ich ihr nicht ganz so viel Sympathie entgegenbringen. Sie schien mir besser mit der familiären Situation klar zu kommen, vielleicht aber auch, weil ihr Kampf eher der war, zu verhindern, dass Lochan sich zu selbstlos und nahe der Selbstaufgabe bewegte. 
Beide waren authentische Personen, wobei ich jedoch manchmal dachte, dass sie schon fast übermenschlich handeln. So viel Stress, zu wenig Schlaf, seelisch am Boden und dennoch schafft es Lochan, sehr gute Noten zu schreiben. Aber ist auch nicht unwahrscheinlich.

Das Thema Inzest ist sicher ein Tabuthema und man muss erst einmal schlucken, wenn man damit konfrontiert wird. Für fast jeden, der Geschwister hat, kommt sowas einfach nicht in Frage und wäre undenkbar. Aber ich kam hier nicht umhin, Maya und Lochan zu verstehen. Zum einen münze ich dies der extremen Situation der Beiden zu und zum anderen auch einfach ihrem Alter. In dieser hormongesteuerten Zeit ist man viel zugäglicher für dererlei Beziehungen. Ich konnte sie nicht verurteilen.  Man könnte der Autorin vielleicht ankreiden, dass sie etwas zu weit geht, aber ich fand daran keinen Anstoß.

Suzuma hat, meiner Meinung, nach ein richtiges Ende gefunden. Es ist zwar wirklich hart und in seiner Endgültigkeit erschreckend, aber für die Figuren das Beste. 

Fazit: Wer dem Tabuthema Inzest nicht von vornherein abgeneigt ist und sich auf die tiefen Gefühle, die über Geschwisterliebe hinaus gehen einlassen kann, der findet mit "forbidden" eine rührende und bewegende Geschichte. Mich hat sie sehr ergriffen. 

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