Freitag, 27. September 2013

Ein dystopischer Thriller in einer scheinbar utopischen Welt

Rezension zu "Frozen Time" von Katrin Lankers


Frozen Time- Katrin Lankers
Erschienen: 07/2013 bei bloomoon
FSK: ab 12 Jahre
Seitenzahl: 304 
Preis: 16,99€ Hardcover, 14,99€ ebook
Link zum Verlag: Frozen Time bei bloomoon


Meine Bewertung: 4 Federn


Das Utopie und Dystopie nahe bei einander liegen, davon können wir uns in diesem Roman der Autorin Katrin Lankers überzeugen. Denn es ist nur auf den ersten Blick die scheinbar heile und sehr gesunde Welt im Jahr 2100. Hinter den Kulissen spielt sich allerdings etwas Grausames ab, dem wir auf die Spur kommen müssen.

Klappentext:
Tessa erwacht. Es ist das Jahr 2100. Ihre Erinnerung ist verloren. Nur das Bild eines Jungen hat sich in ihren Kopf eingebrannt.  Als der junge Arzt Milo ihr helfen soll, ihre Amnesie zu überwinden, erfährt Tessa nach und nach mehr über die wahren Hintergründe ihrer vermeintlichen Krankheit. Das Bild des Jungen stammt aus der Vergangenheit, und Tessa war Teil des Projekts "Frozen Time" ...

 

Das Cover:
Der Umschlag stellt eine dicke Eisschicht da, die an manchen Stellen angetaut ist. In einem Loch im Eis vorn ist das Gesicht eines dunkelhaariges Mädchens zu sehen, dessen Make Up um die Augen verschmiert ist, als hätte sie geweint . Unter dem Gesicht prangt der Titel in pinken Großbuchstaben. Nimmt man den Umschlag ab, so ist der Bucheinband in einem satten Pink  gehalten.

 
Der Aufbau:
Das Buch umfasst knapp 294 Seiten (exklusive der Danksagung) und ist in einen Prolog, 21 Kapitel und einem Epilog unterteilt. Den Abschluss bildet eine liebevolle Danksagung der Autorin.
Das Geschehen wird in Ich-Perspektive in der Gegenwartsform aus der Sicht der Protagonistin Tessa geschildert. Es handelt sich um einen Einzelband, die Geschichte ist abgeschlossen.

 
Meine Meinung:
Ich hatte das Glück an einer Leserunde mit der Autorin Frau Lankers teilnehmen zu dürfen. Andererseits wäre ich vermutlich im Buchladen immer wieder an diesem Buch vorbei gegangen, ohne es zu kaufen, weil es mir vom Cover her nicht so recht zusagen will und hätte somit eine gutes Buch verpasst. Und das wäre schade gewesen.
Ich bin ganz ehrlich, als ich den Klappentext gelesen habe, hatte ich mir eine etwas andere Story vorgestellt. Ich dachte da geht es um eine Mädchen, das jahre- vielleicht auch jahrzehntelang eingefroren war, jetzt aufgetaut wird und sich in der neuen, viel zu modernen Welt und verstärkt durch ihre Amnesie nicht richtig zurecht findet (kennt man ja schon zur Genüge aus Film & Fernsehen). Doch ich wurde ganz schnell eines Besseren belehrt.
Tessa erwacht in einer Welt, die ihr zum einen völlig fremd zum anderen aber auch vertraut vorkommt. Sie kann sich zwar nicht erinnern, wer sie ist, aber sie kann mit ihrem Umfeld etwas anfangen. Die hochtechnischen Geräte weiß sie zu bedienen, ihren Gesundheitszustand einzuschätzen. Das fand ich sehr gut, denn schnell werden Storys um Amnesie auch langatmig, wenn der Betroffene so rein gar nichts mehr weiß. Man fragt sich zwar sofort, wie das kommt, dass sie nicht völlig unwissend ist, aber gerade dies macht die Spannung mit aus.
Zusammen mit ihrem Memo-Trainer Milo beginnt sie langsam sich zu erinnern, doch das große Ganze bleibt ihr verborgen. Immer wieder träumt sie von einem Jungen und bruchstückhaft setzen sich Puzzelteile für sie zusammen. Doch das ist für sie gefährlich. Kaum erinnert sie sich an den Namen des Jungen und entdeckt, dass sie ihm gegenüber Schuldgefühle empfindet, soll das alles wieder gelöscht werden. Aber warum? Langsam entdeckt sie, dass sie nicht in einer heilen Welt lebt
Auch “die Abgetauchten“, die Tessa auf ihrer Flucht kennenlernt, zeigen ihr die Schattenseite für Fortschritt und Gesundheit. Zusammen mit Milo schließt sie sich dem Untergrund an. Und mit einem Mal macht es Klick und ihre gesamte Erinnerung strömt wieder auf sie ein und damit das Entsetzen über eine Welt, die zwar nach außen hin gesund aber von innen her krank ist. Mehr will ich nicht verraten ;)

Der Schreibstil der Autorin hat mir gut gefallen. Sie schreibt klar und verläuft sich nicht in zu großen Details. Dennoch fällt es einem leicht sich die hochtechnische Welt mit all ihren Raffinessen   vorzustellen. Lankers hat sich hier wirklich Einiges einfallen lassen und hat dabei nie die Logik aus den Augen verloren. Besonders ist mir das am Ende aufgefallen, an einem ganz banalen Beispiel einer automatischen luftgepolsterten Krankenliege. Lankers beschreibt sogar, wie das Körpergewicht berechnet wird um genau die richtige Menge Luft einströmen zu lassen. Besonders schön war auch Tessa´s unbedarfter Toilettengang, da musste ich doch mal schmunzeln. Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten. So verstecken sich selbst in Motten oder Schmetterlingen Drohnen, durch elektronische Armbänder kann man sich zwar etwas zu Essen bestellen, aber man wird auch damit überwacht…
Frau Lankers traut sich mit ihrer Thematik auch an ein kompliziertes medizinisches Feld, die Stammzellforschung. Und mit Sicherheit ist vieles dabei aus der Luft gegriffen, aber hierfür “entschuldigt“ sie sich in ihrem Nachwort, was ich sehr gut fand und mir meine leisen Zweifel ausräumten.
Tessa ist eine sympathische Protagonistin, in die ich mich leicht hinein versetzen konnte. Zwar war mir am Anfang ihr umfangreiches Wissen über die Welt im Jahr 2100 etwas befremdlich, immer wusste sie über alles Bescheid, aber nach der großen Aufklärung hat sich das alles logisch erklärt! Sie handelt realistisch und nicht übertrieben, sondern ihrem Alter entsprechend ;)
Die eigentlich Frage die sich mir am Ende aufgeworfen hat ist, ist das Leben des Einen mehr wert als das Leben des Anderen? Die Zweiklassengesellschaft, und damit meine ich nicht die von Juniors und Seniors, die einem vorgeführt wird, hat mich richtig wütend gemacht. Das Thema Organspende wird zur Zeit häufig thematisiert, aber hier nimmt es enorme Dimensionen an. Nur um Menschen, die meinen etwas Besseres zu sein, am Leben zu halten, zu verjüngen, müssen Unschuldige sterben. Damit nahm die Geschichte eine Wendung, die ich nie gedacht hätte und gab ihr eine Tiefe, die mir beim Lesen ein Kribbeln beschert hat. Ein wenig hat mich die Thematik an Kazuo Ishiguros : Alles was wir geben mussten, erinnert.
Eines muss ich allerdings auch negativ betrachten und zwar, dass alles etwas zu glatt läuft. Tessa werden nie größere Hürden in den Weg gelegt. Das fiel mir schon bei ihrer ersten Flucht aus dem MediCenter auf und das wurde auch bei der 2. Und 3. nicht besser. In einer so überwachten und technischen Welt nie auf Probleme zu stoßen, war mir zu unrealistisch. Überhaupt kommt einiges etwas zu kurz. Was ist z.B. mit den Abgetauchten? Ich hätte mir noch mehr Hintergründe über Robin, Kaya und co gewünscht. Was ist mit Rose? Was wird aus Kimmy? Überlebt sie? Das Ende ist mir auch etwas zu abgehackt. Ein paar Seiten mehr hätten hier nicht geschadet.

 
Fazit: eine interessante Zukunftsvision, spannend und erschreckend! Manches bleibt leider zu blass! Trotzdem ein lesenswertes Buch! 

Herzlich bedanke ich mich bei Katrin Lankers für eine sehr interessante Leserunde und bei dem Verlag bloomoon für die Bereitstellung des Buches!

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