Montag, 9. September 2013

Aufwühlend und tief bewegend!

Rezension zu "Der Märchenerzähler" von Antonia Michaelis

Der-MaerchenerzaehlerDer Märchenerzähler von Antonia Michaelis
Erschienen: 02.2011 im Oetinger-Verlag
FSK: Ab 14 Jahren
Seiten: 448 

Preis: 16,95€ Hardcover, 8,99€ Broschiert, 7,99€ ebook
Link zur Verlagsseite: 
Der Märchenerzähler im Oetinger Verlag
 


 Bewertung: 4 Federn

 "Der Märchenerzähler" stand sehr lange auf meiner Wunschliste ich traute mich jedoch nicht so richtig an die Geschichte, da ich sehr unterschiedliche Meinungen und Rezensionen darüber gelesen hatte, die mich dem Buch kritisch gegenüber stehen ließen. Doch jetzt habich den Schritt gewagt und bin eigentlich sehr froh darüber, denn ich hätte eine wirklich sehr bewegende, tiefgründige Geschichte verpasst!

Zum Inhalt
Abel Tannatek ist ein Außenseiter, ein Schulschwänzer und Drogendealer. Wider besseres Wissen verliebt Anna sich rettungslos in ihn. Denn es gibt noch einen anderen Abel: den sanften, traurigen Jungen, der für seine Schwester sorgt und der ein Märchen erzählt, das Anna tief berührt. Doch die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen. Was, wenn das Märchen gar kein Märchen ist, sondern grausame Wirklichkeit? Was, wenn Annas schlimmste Befürchtungen wahr werden? (Quelle: Oetinger-Verlag)
 


Meine Meinung
Ich habe mir lange überlegt, wie ich dieses Buch richtig bewerten soll. Es hat mich sehr zwiespältig zurück gelassen.
Fange ich mal mit meinen positiven Eindrücken an: Michaelis Schreibstil gefiel mir sehr gut. Sie lässt einen tief in die Geschichte eintauchen, so tief, dass man manchmal meinte die Schneeflocken auf der Nase und die kälte des Winters in den Knochen zu spüren. Diese "Eiszeit" ist so wunderbar passend, Sommer und Hitze hätte der Geschichte viel Flair genommen. Und auch das Setting ist gut gewählt. All das sorgt schon allein für eine sehr dunkle und trostlose Atmosphäre.
Michaelis webt auf eine ganz besondere Art ein Märchen mit ein, sodass man immer wieder in eine scheinbare Traumwelt abtriftet. Das ganze Märchen erinnerte an "Der kleine Prinz" nur das wir hier die kleine Königin begleiten. Ich fand diese Erzählart sehr gelungen, auch wenn das Märchen ab und an ein paar Längen hatte.
Abel ist ein sehr ernster Charakter, der in seinem Leben bis jetzt nicht viel zu Lachen hatte. Er tut einfach alles für seine Schwester und lässt die Gefühle für Anna kaum zu. Ob er das allein nur macht, um sie zu schützen, oder auch aus Eigennutz, da bin ich leider nicht ganz hinter gekommen. Auch wenn ich mich nicht recht in ihn hineinversetzen konnte (und eigentlich will man das auch nicht, denn Abels Leben gleicht einem Trümmerfeld), fand ich seine Handlungen zumeist nachvollziehbar (bis natürlich auf die gravierenden Punkte!!!!), denn ich denke in der Not ist man zu fast allem bereit. Und er sah sich so. Auch wenn er bei weitem kein Sympathieträger ist, tat er mir sehr leid. Und Micha muss man einfach lieb haben und man will alles für sie tun.
Kommen wir zu meinen negativen Eindrücken: Diese drehen sich zum größten Teil um Anna und der Frage, ob Liebe wirklich alles verzeihen sollte. Ich weiß das Michaelis sich in dieser Frage auch öffentlich (http://www.buecher-leben.de/interview-mit-antonia-michaelis/) darüber geäußert hat, aber dennoch kam ich nicht umher, dass es mir sauer aufstieß.
Zu Anfang konnte ich mich recht gut in Anna hineinversetzen. Sie ist ein sympathisches, nicht aufdringliches Mädchen. Doch schon recht bald wunderte ich mich darüber, dass sie alles so einfach schluckte. Erst der Mord an zwei Personen, die sie kannte (schon das allein würde sicher jede normale 17 Jährige tief verstören), ihren Verdacht und dann auch noch der Übergriff von Abel. Und dennoch läuft sie ihm wenig später wieder hinter her. Es ist ja schon klar, dass gerade Teenager blind vor Liebe sein können, aber das war doch zu viel des Guten. Sie verzeiht ihm und er muss keine Konsequenzen fürchten...Das hat mir nicht zugesagt und ich kann jeden verstehen, der das kritisiert.
Dennoch hat mich dieses Buch unglaublich berührt und deshalb werde ich nur einen Stern abziehen.


Fazit: Ein bedrückendes, bewegendes und aufwühlendes Drama verwoben mit einem phantasievollen Märchen. Sehr atmosphärisch jedoch mit einer zweifelhaft agierenden Hauptprotagonistin! Meiner Meinung nach nichts für Jugendliche unter 16 Jahren!


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